Historie

Geschichte und Geschichten
Zusammengetragen von H. Sensenschmidt

1. Einweihung des Hauses 1953

Es war der erste große Termin, der sich den Besuchern und Gästen eines neuen Projektes wirklich einprägen konnte.
Am Samstag, den 11. Juli 1953 wurde das Hauptgebäude auf dem SONNENHOF eingeweiht. Von diesem Ereignis liegt uns ein Bericht aus dem „Adventboten" vom 15. November 1953 vor. Er wurde verfasst vom damaligen Verbandsvorsteher der Siebenten-Tags-Adventisten in Ostdeutschland, M. Budnick, der in den 30er Jahren auch Vereinigungsvorsteher der Nordostsächsischen Vereinigung mit Sitz in Dresden gewesen war.

In diesem Bericht heißt es kurz und knapp: „Zu dieser Feier hatten sich etwa 800 Geschwister eingefunden." M. Budnick hatte die Einweihungsansprache gehalten und F. Hambrock, der amtierende Vereinigungsvorsteher, das Weihegebet gesprochen. Am Nachmittag wurden verschiedene Bibelstunden gehalten von den Brüdern
W. Czembor, W. Knitter und E. Oestreich. „Es waren gesegnete Stunden, die unseren Geschwistern und Freunden unvergessen bleiben."

M. Budnick schreibt in dem Artikel weiter: „Bruder Hambrock hat mit seinen Mitarbeitern und unter der treuen Mithilfe vieler Geschwister alles aufgeboten, damit dieses Haus gebaut und eingerichtet werden konnte."

Architekt des Hauses SONNENHOF war Herr Franz, der nach dem 2. Weltkrieg auch den Wiederauf- und Umbau einer Brandruine in der Haydnstraße geleitet hatte. Im Jahre 1950 wurde dieses Gebäude als ADVENTHAUS Dresden für die Gemeinden Dresden-Altstadt und Dresden-Leuben eingeweiht.

„Das Gebäude, das jetzt auf dem SONNENHOF steht, ist ein zweistöckiges Gebäude, das einige Einzelzimmer, mehrere größere und kleinere Schlafräume sowie einen Aufenthaltsraum enthält, der zugleich als Andachtsraum dient und 200 Personen Platz gibt. Eine gute Küchenanlage ist vorhanden. Alles bietet Gewähr dafür, dass jeder Besucher hier nicht nur leibliche Erholung, sondern auch geistliche Betreuung erhalten kann. Es ist der Plan, dass Gottesdienste regelmäßig an den Sonnabenden und Sonntagen und an jedem Tag Andachten gehalten werden sollen… Möge sich diese Einrichtung als ein Segen des Werkes für die Gemeinden der Großstadt Dresden und darüber hinaus für die Nordostsächsische Vereinigung erweisen."

2. Die Anfänge 1927

In dem besagten Artikel erfahren wir auch etwas über die Anfänge des SONNENHOF überhaupt. Das Grundstück hatten die Siebenten-Tags-Adventisten 1927 erworben. Am 31. Oktober jenes Jahres wurde „bei herrlichem Wetter der erste Gottesdienst auf dem Grundstück im Freien abgehalten."

Im Jahre 1928 wurde schließlich eine Wellblechbaracke gekauft und auf dem Grundstück aufgebaut. In ihr befanden sich „die Küche, einige Fremdenzimmer und ein Aufenthaltsraum, der oft auch zu Gottesdiensten gebraucht wurde. Kleinere Wirtschafts- und Schuppengebäude wurden weiterhin errichtet.

Alles diente dem Zweck, jungen Menschen wie auch den Gemeindemitgliedern aus der Großstadt eine gesunde Aufenthaltsmöglichkeit sowie leibliche und geistliche Betreuung zu gewähren. Zugleich aber sollte es eine Stätte werden, auf der sich die Gemeindemitglieder auf eigenem Grund und Boden am Samstagnachmittag, am Sonntag oder auch sonst in den freien Stunden einfinden konnten."

Ab den 30er Jahren fanden Kindererholungszeiten, Jugendveranstaltungen und Tagungen für ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter statt.

Eines verschiedener, durchaus erzählenswerter Details, an das sich H. Spahn erinnert, sei an dieser Stelle genannt: im Eingangsbereich des SONNENHOF befand sich am Brunnen ein Schild mit folgender Aufschrift: „Alles Pumpen ist verboten, nur das Wasserpumpen nicht. Du kannst es pumpen für die Loden, auch für Hände und Gesicht."

M. Budnick macht in seinem Artikel darauf aufmerksam, dass der SONNENHOF als Erholungsstätte die erste Einrichtung dieser Art der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland sei: „Sie hat sich zum Segen erwiesen. Seither wurden ähnliche Stätten in anderen Vereinigungen eingerichtet."

3. Nutzung nach 1945

Ich selbst erinnere mich meines ersten Pfingstjugendgottesdienstes, den ich im Jahr 1951 auf dem SONNENHOF miterleben durfte. Unvergessen sind mir die Anreise mit der Straßenbahn bis zur Endstation „Wilder Mann" und dem anschließenden Fußmarsch durch die Heide über den Sandberg, einschließlich damals gefahrloser und nicht verbotener Überquerung der Autobahn. Ich erinnere mich an die Begeisterung aller jugendlichen Teilnehmer, wobei mir schien, dass es eine Altersbegrenzung nicht gegeben hatte. Dann war da noch das stets qualmende Rohr des Küchenherdes, das aus der Wellblechbaracke heraus ragte. Hunderte Teilnehmer erhielten Mahlzeiten aus Spendenlebensmitteln. Es war Nachkriegszeit mit Rationierung von Lebensmitteln. Und letztlich sei das Schlafen im Massenquartier in Heu und Stroh genannt. Wilschdorfer Bauern hatten eine Scheune für die Übernachtung zur Verfügung gestellt.

Pfingstjugendgottesdienste fanden auf dem SONNENHOF jährlich bis 1990 statt.

Was wäre ein Pfingstjugendgottesdienst ohne die Taufe junger Menschen. Aus diesem Grund wurde von Anfang Wert gelegt auf die Errichtung eines speziellen Taufbeckens. Zweimal wurde ein Becken gebaut, umgebaut. Im Jahr 2004 wurde nun schließlich das dritte seit 1953 errichtet. Wir hoffen, dass noch viele Menschen durch dieses Wasserbad gehen und damit Kinder Gottes werden.

Wie viele Menschen insgesamt auf dem SONNENHOF ihr Bekenntnis zu Jesus Christus öffentlich mit der Taufe bekundet haben, ist heute nicht mehr zu ermitteln.

4. Heimleiter

Das erhalten gebliebene „Hausbuch" aus der DDR-Zeit dokumentiert die Dienstzeiten der Hausverwalter und Heimleiter.

Wir entnehmen, dass K. Prüfer, junger Prediger in Dresden, mit seiner Familie als erster den Sonnenhof von 1953 bis 1954 bewohnte.

Nach ihm übernahm der pensionierte Prediger W. Thalmann mit seiner Frau die Verwaltung des SONNENHOF bis 1960. Ihm folgte das Ehepaar Karwath bis 1968. Danach kam W. Schulz mit seiner Frau und versah den Hausmeisterdienst bis 1971. Ihnen folgte Familie Dietrich in der Zeit bis 1980. Das war auch die Zeit, in der begonnen wurde, den SONNENHOF ganzjährig zu betreuen, nachdem das Dachgeschoss ausgebaut worden war und die Bettenkapazität erweitert werden konnte. Eingeführt wurden Wintererholungszeiten für Senioren.

Im Jahr 1980 übernahm Familie E. Neike die Leitung des Objektes - er als Heimleiter und sie als Küchenchefin. Seit 2002 stand Ehepaar R. Mauersberger dem SONNENHOF zur Verfügung nur gegen eine Aufwandsentschädigung. Seitdem wird der SONNENHOF Schritt für Schritt und mit spürbarem Aufwand umgebaut und damit heutigen Anforderungen angepasst. Das bedeutet nicht nur viel Arbeit, sondern auch eine ganze Menge anderer Unannehmlichkeiten. Seit 2004 kümmert sich Familie E. Buruck um alle Belange, die den SONNENHOF betreffen - Umgestaltung des Geländes, Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten an den Gebäuden, Koordinierung des Gast- und Veranstaltungsbetriebes - und all das mit dem Arbeitskreis in Zusammenarbeit, ehrenamtlichen Helfern und gegen eine geringe Aufwandsentschädigung.

5. Die Wende 1989

Das Jahr der Wende brachte einschneidende Veränderungen auch für den SONNENHOF mit sich.

Im Herbst des Jahres 1990 fand die große Evangelisation mit B. Thorp aus den USA in Dresden statt. Ein großer Mitarbeiterstab an Predigern hatte auf dem SONNENHOF für Wochen Quartier bezogen, um gleichzeitig eine missionarisch-evangelistische Ausbildung zu erhalten. Wie sich später herausstellte war es eine der letzten Tagungen auf dem Sonnenhof.

Die Öffnung der Grenze und damit verbundene Reisefreiheit ließ die Gästezahlen auf dem SONNENHOF drastisch zurückgehen, so dass die Nutzung in bisheriger Weise nicht mehr sinnvoll schien. Als Vereinigungsleitung machten wir uns ernsthaft Gedanken, wie es weiter gehen sollte. Wir standen vor der Alternative zu verkaufen oder den Versuch zu starten, den SONNENHOF in vielleicht spätere wieder günstigere Zeiten zu retten. Wir haben uns damals für das Hinüber-Retten entschieden. Wir investierten in eine neue Heizungsanlage - die alte war nicht mehr reparabel - um den Sonnenhof als Herberge für Gastarbeiter anbieten zu können. Durch diese Art der Nutzung hatten wir eine kleine, aber ständige Einnahmequelle. Dadurch konnte wenigstens der Hausmeister E. Neike weiter angestellt bleiben und für die Pflege und Instandhaltung sorgen. Seine Frau mussten wir leider entlassen.

Der SONNENHOF ist erhalten geblieben - gehofft hatten wir es, unsicher waren wir schon. Nachdem die letzten Gastarbeiter ihre Koffer gepackt hatten wurde im Jahr 2000 ein Freundeskreis gegründet. Er stellte sich die Aufgabe, den SONNENHOF als Selbstversorgerhaus und Begegnungsstätte weiterzuführen. Die nach der Wende inzwischen auch für den SONNENHOF zuständige Grundstücksverwaltung der Siebenten-Tags-Adventisten überließ dem Freundeskreis das Anwesen zur Nutzung und Umgestaltung. Seitdem ist der Freundeskreis finanziell eigenverantwortlich für die Betreibung und Instandhaltung zuständig.

Das Preisgefüge für die Nutzung wurde so gestaltet, dass sich Familien mit Kindern und Menschen mit kleinerem Geldbeutel einen Aufenthalt auf dem SONNENHOF in Selbstversorgung leisten können.

6. Bautätigkeiten zur Sanierung seit 2000

Wir erlebten Gottes konkretes Eingreifen auf Schritt und Tritt. Um den Sonnenhof weiter nutzen zu können, musste die Neuinstallation der Warm- und Kaltwasserleitung im gesamten Haus dingend in Angriff genommen werden. 10.000 DM Spendengelder lagen bereit. Sie reichten lediglich für die Materialkosten. Im Jahr 2000 konnte mit vielen ehrenamtlich geleisteten Stunden trotzdem die neue Wasserversorgung in Betrieb genommen werden.

Ein anderes Problem bahnte sich an. Die Südseite des Daches wurde zunehmend wasserdurchlässig. Eine Dachsanierung mit Erneuerung der Dachrinnen und Fallrohre zeigte sich als unvermeidbar. Der Kostenvoranschlag eines Dachdeckers belief sich auf 15.000 DM. Das Geld dafür fehlte. Dann das Wunder: eine Glaubensschwester aus Süddeutschland spendete das benötigte Geld. Fachleute aus verschiedenen Gemeinden konnten die Arbeiten preisgünstiger gestalten, so dass wir etwa 6000 DM für weitere Investitionen einsetzen konnten.

In dieser Zeit verschlechterte sich der Gesundheitszustand von E. Neike deutlich. Er musste die Verantwortung abgeben - aber an wen? Gott schickte uns Familie E. Buruck. Mit Ideen, den nötigen Kontakten und umsichtiger Fachkenntnis packte E. Buruck gemeinsam mit jungen Leuten und dem Arbeitskreis die Dinge an und setzte so eine fast nur auf Materialkosten basierende Bautätigkeit in Gang. Der SONNENHOF verändert seitdem ständig sein Gesicht, wird schöner, komfortabler, einladender. Die Außenfassade wurde erneuert, die Terrasse gestaltet, alle Zimmer renoviert und Toiletten und Duschen von Grund auf saniert. Die Küche erhielt eine moderne, kommunikative und auch für jeden Gast leicht zu bedienende Ausstattung. Weitere Verbesserungen sind natürlich geplant und werden sobald als möglich realisiert. Es hat sich gelohnt, das Risiko des Hoffens, des Vertrauens und der Investition einzugehen.

Heute genießt der SONNENHOF wieder viel Sympathie bei Besuchern und Gästen. Die Wochenenden sind im Voraus über längere Zeit bereits ausgebucht.

Familienfeier, Hochzeit und Jubiläum mit anschließendem Kurzurlaub, der Städte-Familienkurzurlaub, mehrtägige Klassentreffen oder Betriebsausflüge, Tagungs- und Klausurtermine, die Abschlussfahrt nach dem Konfirmanden- oder Religionsunterricht, Bibel- und Begegnungswochen sind die neuen Ideen, die den SONNENHOF heute zunehmend attraktiver machen für Menschen, die eine echte Alternative suchen.

Wir sind dankbar für alles, was wir erleben durften und dafür, dass der SONNENHOF wie ehemals geplant, eine Oase sein kann für Menschen, die Ruhe suchen, Begegnung, Entspannung und ein Stück geistliche Heimat.

 

Begegnungsstätte
SONNENHOF
Am Weinberg 45
01109 Dresden

Mobil: 0 1520. 4 98 46 25
Telefon: 0351. 8 80 71 22
Telefax: 0351. 8 89 34 59

Email schreiben